Worauf Sie bei der Schlafzimmerplanung achten sollten

Das Schlafzimmer ist der privateste Raum eines Zuhauses — hier beginnen Tage und Träume. Die Schlafzimmer-Gestaltung muss einem dabei helfen, optimal in den Alltag zu starten, aber auch daraus auszusteigen. Mit diesen Tricks gelingt dem Schlafzimmer der Spagat zwischen funktional und gefühlvoll…

Situations-Scan

Viele Menschen beginnen die Schlafzimmer-Gestaltung mit dem Bett, dabei ist das der simpelste Aspekt: Es braucht nur genügend Stellfläche und muss barrierefrei zugänglich sein. Am besten beginnt man damit, sich den Raum anzuschauen, der einmal sein privates Hideaway werden soll. Aber beobachten Sie auch Ihre Gewohnheiten: Lesen Sie abends gerne noch ein Buch zum Einschlafen? Oder rollen Sie nach dem Aufwachen gleich die Yogamatte aus? Diesen Alltagsgewohnheiten sollte ein Schlafzimmer Raum geben — im wahrsten Sinne des Wortes. Vielleicht machen Sie sich Platz für einen gemütlichen Lesesessel oder eine Meditations-Ecke mit Mini-Buddha-Skulptur. Der Raum soll sich Ihren Bedürfnissen anpassen, nicht andersherum. Hören Sie auch in sich herein, welche Wirkung Sie von Ihrem Schlafzimmer erwarten: Wollen Sie Ihr Gemüt beruhigen? Oder möchten Sie mit optischen Gute-Laune-Farbboostern den Tag beginnen? Dann dürfen Sie auch farblich in die Vollen gehen (zum Beispiel mit Wandfarben und kolorierten Möbeln). Damit es nicht zu wild wird, sollte man allerdings einer Farbfamilie treu bleiben. Wer sich unsicher ist oder seinen Geschmack häufig wechselt, der hält sich bei der Raumgestaltung dezent zurück und beweist bei der Wahl der Bettwäsche, den Deko-Kissen, dem Bettüberwurf und ähnlichen Elementen Mut. Weil der Grundtenor des Schlafzimmers immer idealerweise “Harmonie“ ist, lohnt es sich einem beliebten Stylisten-Trick zu folgen: „Wichtige Farben wiederholen, wiederholen, wiederholen…“.

Stil-Basis

Das Schlafzimmer dient fast immer auch als Ankleidezimmer: Man möchte sich hier in Ruhe an- und ausziehen können. Es muss darin also einen Punkt geben, wo man die getragene Kleidung gut ablegen oder hinhängen kann, zum Beispiel einen “Stummen Diener“, einen Stuhl oder eine Garderobe. Außerdem muss es einen möglichst sichtgeschützten Punkt geben, wo Wäsche gesammelt wird. Und natürlich einen Schrank, der auf die individuellen Bedürfnisse abgepasst ist. Je besser dieses “Backoffice“ des Schlafzimmers organisiert ist, desto mehr kann man sich darin auf das fokussieren, was wirklich wichtig ist: Die ganz persönliche Tiefenentspannung. Um die zu erreichen, empfiehlt sich ein Ordnungs-Dreisatz aus Schrank(-wand), Kommode und Nachtschränkchen — und als Bonus den Platz unterm Bett. Denn dort können wahre Stauraumwunder vollbracht werden. Aber Ordnung ist natürlich nur das halbe Leben. Design das andere — denn trotz aller Gemütlichkeit, möchte man sich selbst und seinen Wohnstil mit dem privatesten Raum des Zuhauses ja auch ausdrücken. Das tut man vor allem mit den Möbeln darin und deren Gestaltung. Holz hat beispielweise ein ganz anderes Designstatement als Glas oder Lack: Naturverbunden, romantisch, mondän – ein Schlafzimmer kann viele Gesichter haben. Achten Sie auch auf Details wie die Füße von einem Bett oder die Griffe der Schrankwand. Kleiden Sie Ihr Schlafzimmer so, wie sich selbst kleiden würden: Mit Andacht und einem Auge für Kleinigkeiten.

Hell-Dunkel-Kontraste

Schlafen tut man, wenn es dunkel ist. Ein Schlafzimmer braucht deshalb eigentlich gar kein Licht, höchstens für Notfälle. So oder so ähnlich lautet der weitverbreitete Irrglaube. Dabei ist es genau andersherum: Ein Schlafzimmer sollte viele unterschiedliche Lichtquellen haben, die es ausleuchten, beleuchten, in schummriges Licht tauchen oder weichzeichnen. Experten raten zu rund fünf verschiedenen Lichtquellen. Wer nur eine Deckenlampe und eine kleine Nachttischleuchte hat, hat also verloren. Zumindest, wenn es darum geht, Stimmung zu kreieren. Denn das geht mit nichts so gut, wie mit Licht. Wichtige Komponenten sind die Deckenbeleuchtung, wobei diese im Schlafzimmer rein funktionale Aufgaben übernimmt. Indirektes Licht hinter dem Betthaupt oder unter seine Rahmen, setzt Akzente. Kleine Deko-Leuchten, zum Beispiel auf der Kommode, sind Stimmungsinseln und können bei Bedarf auch mal nachts brennen bleiben. Wichtig ist: Zumindest eine Lampe sollte immer vom Bett aus und mit einem Handgriff zu bedienen sein. Vergessen Sie aber auch das Tageslicht nicht als wichtige Gestaltungs-Komponente. Denn gefiltert durch semitransparente Vorhänge zaubert es im Schlafzimmer eine sanfte Stimmung. Wer es wirklich dunkel braucht, um zur Ruhe zu kommen, sollte mit Jalousien oder Verdunkelungsrollos nachhelfen. Spielen Sie auf mehreren Ebene mit Licht und Dunkelheit.

Auf Tuchfühlung

In der Küche versuchen wir unserem Gaumen zu schmeicheln, im Bad unserer Nase. Im Schlafzimmer versuchen wir vor allem den Tastsinn zu verwöhnen. Achten Sie im Schlafzimmer deshalb verstärkt auf die Materialität ihrer Möbelstücke. Denn diese berühren Sie nicht nur sehr häufig, sondern auch in Schlüsselsituationen des Tages. Und schmeicheln Sie Ihren Sinnen mit hochwertiger Bettwäsche, Überwürfen, Plaids oder auch Teppichen aus sinnlichen Naturmaterialien wie Wolle, Leinen, Baumwolle oder Seide. Heißblütler sollten dabei eher auf Materialien mit kühlenden Hohlfasern wie Leinen oder Seide setzen, Fröstler auf wärmende Fasern wie Wolle oder Kaschmir. Wer sich so pampert, der braucht auch die Heizung im Schlafzimmer nicht hochzudrehen, um sich behaglich zu fühlen. Schlaf-Experten raten nämlich zu einer niedrigen Raumtemperatur im Schlafzimmer (um die 18 Grad). Um dieses watteweiche Rundum-Sorglos-Gefühl aufkommen zu lassen, das man in Hotelbetten oft hat, kann man sich deren Trick abschauen: Sie geizen nicht mit Reizen. Das Bett gleicht einer Wolke-Sieben, Kissen gibt es im Überfluss, Decken mindestens zwei und vor dem Bett stehen flauschige Puschen parat. Machen Sie das zuhause nach! Vor allem im hektischen Alltag tun solche Luxus-Kniffe gut und verwandeln ein schlichtes Schlafzimmer in einen Wohlfühl-Ort mit Wellness-Qualitäten. Um diese Wirkung zu erreichen, muss man aber wirklich im Komfort schwelgen. Ein minikleines Extra-Kissen ist gut gemeint, schafft das aber alleine nicht.

Detailarbeit

Aufwachen, ansehen, freuen — solche Instant-Glücksmomente braucht man doch! Das kann ein geliebter Mensch neben einem im Bett sein, aber auch ein Sonnenstrahl, der durch den Vorhang vor dem Fenster fällt oder ein Werk des Lieblings-Fotografen auf dem Nachttisch. Kunst ist im Schlafzimmer definitiv erlaubt, wenn nicht sogar erwünscht. Schließlich berührt kaum etwas anderes so intuitiv die Seele. Was dem einen Bilder, Fotos oder Illustrationen, sind dem anderen Blumen und zierendes Grün. Beides ist im Schlafzimmer willkommen, schließlich begünstigen Zimmerpflanzen nachgewiesenermaßen das Raumklima. Nur stark duften sollten sie nicht, das kann wiederum Schlaf und Erholung stören. Diese Regel gilt übrigens auch für Duftkerzen neben dem Bett. Auch elektrische Geräte sollten aus dem Schlafzimmer verbannt werden: Denn ihr Smog hat den Ruf, einen störenden Einfluss auf unseren Körper und Geist zu haben. Kunst und andere Deko-Kleinigkeiten gruppieren Interieur-Profis übrigens gerne. Auf einem schicken Tablett oder Untersatz versammelt, wirken sie harmonischer und konzentrierter, als wenn sie überall im Raum verteilt sind. Am besten man verstaut vieles im Nachtschrank und stellt nur Ausgesuchtes zur Schau. Denn trotz aller Gefühlsschwärmerei, soll das Schlafzimmer doch vor allem ein Ort der Ruhe und Entspannung sein.


Text von Janina Temmen - Design Journalistin aus Hamburg